Hamburg > Brüssel (Part IV & Fazit)

Hier – nach Huy – geht es (fast) nur noch geradeaus. Ein sehr netter Tripp, nach aber mittlerweile schon fast 12 1/2 Stunden ein wenig ermüdend, gebe ich zu. Aber dafür hat man ja auch alle 1 1/2 bis 2 Stunden eine Pause eingelegt. Mit einem Verbrenner fahre ich die Strecke durch, vielleicht einmal ran, weil Frau mal muss, aber alleine in einem Rutsch. Und das ist am Ende ebenso ermüdend, wenn nicht noch mehr, da man mit der Zeit immer schneller wird und ggf. auch unaufmerksamer. Hier immer bei der Stange zu bleiben fällt teilweise schwer. Also, elektrisch mit Pausen und gut (besser) ist.

Dieses Mal hat der Verfolgungswahn einen Ducato-Camper aus Deutschland getroffen. Schön mit 110 über die Piste juckeln, was nicht so stressig ist, da eh nur 120 in Belgien auf der Autobahn erlaubt sind. Am Ende nur noch die richtige Ausfahrt treffen und rein ins Brüsseler Stadtleben und den Feierabendverkehr. Zum Glück bin ich ja antizyklisch unterwegs. Raus ist schlimmer als rein. Aber dennoch. Was ich in Brüssel anstrengend finde ist der Umstand, dass sich die Belgier auch nur bedingt an die Regeln halten. Aber man kann sich halt nicht sicher sein, ob der einem nun die Vorfahrt nimmt oder sich regelkonform verhält. Da lobe ich mir Paris – da weiß man, dass sich keiner dran hält, da kann ich mich drauf einstellen, mit leben, aber hier … abrupte Spurwechsel vor einem oder mit 80 durch die Stadt, wie im Kino bei einer Verfolgungsjagd – um dann doch wieder bei der nächsten Ampel einen vor einem zu stehen … tststs …

Endlich fuhr ich in bekannte Gefilde vor, der Triumpfbogen im Parc de Cinquantenaire tauchte auf, man selber im Tunnel unter’m Park durch und dann auch schon zuhause! Fast auf die Minute genau 13:30 Stunden hat es von Haustür zu Haustür gedauert (wobei ca. 45 Minuten Mehrwartezeit in Osnabrück bei IKEA zu Buche schlagen, als eMIL schon längst voll war) und ich den Umweg über Oupeye gemacht habe, der mich vor Ort ca. 20 Minuten und durch Mehrweg 15 Minuten gekostet hatte. Schlussendlich war der letzte Lader nur ein 20 kWCCS-Anschluss, also noch einmal vielleicht 1 Stunde in den Sand gesetzt. Ich bin zwar nicht in einen wirklichen Stau gekommen, mal ein-zwei Kilometer, aber es gab auch viele Baustellen, die nur mit 60 durchfahren werden durften. Ansonsten immer zwischen 95 und 110 km/h auf der Uhr gehabt.

Es gibt auf dieser Strecke bestimmt noch ausreichend Optimierungspotential, aber ich weigere mich, hier das Optimum herausholen zu wollen. Ständig auf die Ladeuhr zu schauen, vielleicht nur bis 93% laden, das reicht – ich genieße die Fahrt auch und lade lieber noch 15 Minuten länger, um mit 100% wieder auf die Strecke zu gehen (Sicherheit).

Also, überrascht hat es mich am Ende des Tages auch, dass es fast doppelt so lange dauerte wie mit einem Verbrenner. Aber der Vergleich hinkt eh, da es dabei nicht auf nur auf das Laden ankommt, sondern auch auf die Reisegeschwindigkeit, die sich bei 660 km schon bemerkbar machen kann. Auch wenn Belgien auf 120 und Holland zwischen 100 und 130 beschränkt sind – spätestens ab der Grenze zur Bundesrepublik gilt gerne mal 160 km/h als Richtwert (bei mir – sofern das Auto das hergibt als geruhsame Reisegeschwindigkeit).

Wie das Beitragsbild vermuten lässt, hat das Laden in Brüssel auch kostenlos bei Lidl funktioniert. So ist der Tripp bis jetzt mit keinem Cent für Strom (inkl. einmal Nordsee und zurück) komplett kostenlos geblieben! 🙂

Mein Fazit:
Eine Langstrecke (in diesem Fall von 660 KM) ist durchaus machbar – wenn man genügend Zeit hat und sich drauf einlässt. Die Ladesäuleninfrastruktur ist ausreichend, zumal auf dieser Strecke rein kostenlos zu schaffen. Man sollte es nicht überreizen mit der Restreichweite, lieber maximal 150 km rechnen (zumal im Winter bestimmt weniger). Jetzt sind es noch ausreichend gute Temperaturen zum e-Auto-Fahren. Unbedingt mal machen! Ist eine Erfahrung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.